Schon lange Zeit hat Maria nichts mehr von ihrer damals besten Schulfreundin Corinna gehört und freut sich total über ihre Kontaktaufnahme auf Facebook. Schnell ist ein Termin zum Abendessen gefunden. Da Corinna nicht mehr in der gemeinsamen Heimatstadt wohnt, übernimmt Maria gerne die Planung und schlägt einige Lokale vor, immer im Hinterkopf was Corinna gut gefallen könnte. Der Abend soll schließlich etwa besonderes sein und beide sollen sich wohl fühlen.

Eine Woche später sitzt Maria, voll freudiger Erwartung, in einem der angesagtesten Lokalen der Stadt – es war gar nicht so einfach einen Tisch zu ergattern – und wartet.

Nach einer viertel Stunde ruft sie bei Corinna an. Niemand nimmt ab.

Weitere zehn Minuten vergehen.

Maria beginnt sich Sorgen zu machen und checkt mit ihrem Handy die Verkehrsmeldungen. Kein Stau, kein Unfall.

Sie ruft zwei weitere Male an. Wieder nichts.

Dann endlich das erlösende Klingen.

Ein fröhliches „Ja, hallo, hier die Coco!“ am anderen Ende.

Maria fehlen im ersten Moment die Worte.

„Corinna? Wo bis du? Ist alles in Ordnung?“

„Ja, klar, aber wer spricht denn da?“

„Maria. Wir haben eine Verabredung.“

Kurzes Schweigen.

„Oh, nein, ich glaube ich habe dich vergessen, ich hatte in letzter Zeit so viel um die Ohren, lass mich das wieder gut machen, es tut mir total leid. Oder soll ich schnell losfahren?“

„Du brauchst mindestens eine Stunde hierher. Lass uns lieber etwas anderes ausmachen.“

„Total gerne! Ich wusste dass du noch ganz die Alte bist. Wie konnte ich das nur vergessen!“

„Naja, das kann schon einmal passieren.“

Als wenig nachtragender Menschen ist Maria tags darauf gleich wieder im Planungsfieber. Bei ihrem Wunschlokal bleibt sie diesmal erfolglos. Aber schnell einigen sich die beiden Frauen auf einen neuen Treffpunkt.

Diesmal ist Corinna überpünktlich. Maria schafft gerade mal eine Punktlandung. Nur mit viel gutem Willen kann sie den Termin wahrnehmen und kommt abgehetzt an. Eine gutaufgelegte Corinna stürmt auf sie zu und zieht sie an einen Tisch mitten im Geschehen. Etwa irritiert lässt sich Maria nieder und möchte eigentlich erst einmal ankommen.

Gar nicht so einfach bei der basslastigen Musik aus den Boxen. Lautes Gelächter vom Nebentisch. Corinnas aufdringliches Parfüm in der Nase. Gäste drängeln sich am Tisch vorbei. Ihre Freundin plappert munter drauflos.

„Super hier,“ fängt Corinna an. „Ganz mein Geschmack! Wie konnten wir uns nur aus den Augen verlieren? Es fühlt sich immer noch so wie damals an und du denkst einfach an alles!“

Maria schluckt, sie wollte eigentlich einen schönen, entspannten Abend mit ihrer ehemals besten Freundin verbringen und stellt fest, dass sie ich selbst bei all den Planungen zurückgenommen hat. Dennoch wird es ein recht schöner Abend. Aber nach Corinnas Monologen über berufliche Heldentaten und damit korrespondierenden Beziehungsproblemen wird Maria klar warum die Zeit die beiden getrennt hat.

Wenn ich loslasse, was ich bin,
werde ich, was ich sein könnte.
Wenn ich loslasse, was ich habe,
bekomme ich was ich brauche.

Lao Tse

Photo by Jason Briscoe on Unsplash

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