Jede Bewegung kostet Unmengen an Kraft. Das heulende Elend hält mich mit stählerner Faust fest. Alles was über das Anstarren eines Fixpunktes hinausgeht wird zur unüberwindbaren Hürde. An Motivation ist gar nicht zu denken. Die Zeit verrinnt, die Aufgaben bleiben, neue kommen hinzu. Die nackte Panik lähmt mich. So oder so ähnlich wird das Gedankenkarussell beschrieben. Jeder durfte schon einmal ein paar Runden drehen und der Absprung ist nicht leicht.

Wir haben die Wahl: wie ein Häufchen Elend in der Opferstarre verharren oder ein innerliches STOP setzen. Die gute Nachricht: je öfter wir ein STOP setzen, desto schneller hat der, meist nächtliche, Spuk ein Ende.

Es geht rund

Toll diese feinen Antennen, aber leider manchmal störend. (Hoch)sensiblen berichten genauso von kreisenden Gedanken wie Normalsensible. Nur reagieren die empfindsamen Gemüter heftiger auf kleine unvorhergesehene Ereignisse:

Man möchte konzentriert arbeiten und wird durch etwas Unangenehmes unterbrochen. Das muss nicht einmal mit einem selbst zu tun haben. Es kann auch der ewig motzende Kollege mit seinen negative Energien sein. Oder die durchwachte Nacht in der das eigene Verhalten analysiert wird. Beides kann in ein Gedankenkarussell katapultieren. (Hoch)sensiblen sind häufig offen für ein paar Extrarunden und müssen oft ein wenig mehr für den Absprung kämpfen.

In der folgenden Top-5-Liste befinden sich unsere Lieblingsstrategien.

1) Raus und zwar so schnell wie möglich

So aktiv die Gedanken gerade im Kopf umhergeistern, oft bringt sie nicht weiter. Nur 20 Minuten schnelles Gehen an der frischen Luft machen den Kopf frei und offen für Neues. Die reale Bewegung biete dem Gedankenkarussell Paroli. Immobile oder bewegungseingeschränkte Menschen können den Ort wechseln. Aktivität ist im Rahmen der Möglichkeiten immer möglich. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Es gibt immer (Aus)wege.

2) Spinnen Sie mal rum

Fidget-Spinner, das sind kleinen, von Kugellagern angetriebene Spielzeuge gibt es bereits seit den 90ern. Ursprünglich für hyperaktive und autistische Kinder gedacht, haben die Spinner sich beinahe 30 Jahre später zu einem Massenphänomen entwickelt. Die kleinen Kreisel sollen beim Abbau von Stress und Hypermotorik helfen. Was eigentlich in Kinderhänden rotieren soll, wirkt erstaunlicherweise auch bei älteren Semestern wahre Wunder. Gerade im Büro schafft das Spielzeug nach fordernden Momenten Abhilfe.

3) Die Toilette kann ein Ausweg sein

Alles in allem hat man dort seine Ruhe. Falls Sie wegen der Aufenthaltsdauer schräg angeschaut werden: Man kann ja mal was Falsches gegessen haben. Und von Lebensmittelintoleranzen hat inzwischen der hartgesottenste Vorgesetzte etwas gehört. Ein paar (lautlose) Atemübungen, etwas Meditation oder ein paar Zeilen in einem Buch sorgen für Erdung.

4) Im Dunkeln ist gut Munkeln

… manchmal aber auch nicht. Endlich einmal Zeit seinen Gedanken nachzugehen. Eine lebhafte Phantasie und ein reiches Innenleben sind wunderbar. Ein erholsamer Schlaf jedoch überlebenswichtig für (Hoch)sensible. Beginnen die Gedanken zu kreisen ist es vorbei mit der Nachtruhe. Eine Atemmeditation kann Abhilfe schaffen. Manchmal muss man aber schwere Geschütze auffahren und dann heißt es: raus aus dem warmen, kuscheligen Bett! Sonst haben Sie keine Chance. Machen Sie etwas, dass Sie in andere Fahrwasser bringt: Hauptsache richtig langweilig. Bereits nach einer halben Stunde kann der Zauber vorbei sein und das Land der Träume empfängt Sie mit offenen Armen

5) Die Flimmerkiste

Ja, Sie lesen richtig. Heerscharen von Neurowissenschaftlern, Psychologen und Schlafforschern predigen über die negativen Auswirkungen des nächtlichen Fernsehkonsums. Er sei ungesund und beeinträchtige den erholsamen Tiefschlaf. Dennoch gibt es Menschen die selten ohne einschlafen können. Malträtieren nächtens aufdringliche Gedanken, kann eine sterbenslangweilige Doku nachhelfen.

So banal es klingt, letztendlich müssen Sie Methoden finden die in Ihren Alltag und zu Ihren (körperlichen) Möglichkeiten passen. Das können Powergesten sein, vielleicht ist es hilfreich die Mundwinkel für zwei Minuten hochzuziehen oder vier Seiten in einem seichten Roman zu lesen. All diese Rituale haben eins gemeinsam: sie führen buchstäblich eine Haltungsänderung herbei.

Unser Tipp: Notieren Sie sich Ihr persönliches Notfall-Setting. So einfach die Lösungen meist sind, wenn man sie braucht, fallen sie einem nicht ein.

Viel Erfolg beim Ausprobieren und Experimentieren.

Photo by ANMOL on Unsplash

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