Falsch, setzen, sechs. Sein Innerstes krampft sich bei diesen Worten zusammen, die Angst sitzt ihm im Nacken. Betretenes Schweigen oder höhnisches Gelächter, begleitet vom stechenden Geruch des Bohnerwachses. Schweißige Hände und Demütigung, lange Jahre hat er so seine Schulzeit erlebt. Mut wurde irgendwann zum Fremdwort. Es gab keine Alternativen: richtig oder falsch, top oder flop, in oder out.

Er hat viel Zeit gebraucht um zu verstehen worum es tatsächlich ging: nicht um Perfektion oder es Anderen recht zu machen, auch nicht um das Dazugehören um jeden Preis. In Wirklichkeit wollten ihm diese Erlebnisse den Weg zu sich selbst aufzeigen.

„Wie oder was ich lerne und ob ich es mir zueignen machen will – diese Entscheidung liegt immer bei mir.“

Erst spät entwickelt er den Mut zur Lücke und damit zunehmend mehr Freude am Lernen. Jede Wissenslücke und jeder Fehler birgt die Chance auf Kommunikation und Annäherung, sofern diese Entwicklung zugelassen wird.

„Als Kind habe ich mich mit Sprüchen oft mundtot machen lassen – heute habe ich Strategien damit umzugehen.“

Lernen muss keinen Spaß machen. – „Es gibt immer Mittel und Wege Freude an etwas zu haben.“

Das tut nichts zur Sache. – „Mag sein, aber es ist spannend in mehrere Richtungen zu denken, auch wenn es gerade nicht gefragt ist.“

Womit Du Dich schon wieder beschäftigst! – „Mit Dingen, die mir am Herzen liegen und die mich als Mensch voranbringen.“

Das gibt es doch gar nicht. – „Wieso weiß ich dann davon?“

Mach es einfach so wie ich es Dir gesagt habe. – „Und wenn es eine andere, möglicherweise bessere, Lösung gibt?“

Du musst das alleine machen, später hilft Dir auch niemand. – „Richtig, wenn man nicht gelernt hat andere für sich zu gewinnen.“

Warum dauert das bei Dir so lange? Die anderen sind längst fertig. – „Ich folge nicht nur, ich denke mit und mache es mir damit zu eigen.“

Hast Du es immer noch nicht verstanden? – „Vielleicht sind unsere Denkmuster und unser Vorwissen zu verschieden. Nachfragen hilft.“

Zweifel bringen die Klarheit ans Licht

„Letztendlich habe ich meinen Mut wiedererlangt und Verantwortung für mein Leben übernommen. Jeder Kritiker gewährt uns lediglich einen Blick in seine eigene Welt. Kritiker sollten besser als solche tätig werden und keinen Lehrberuf ergreifen. Zumindest nicht an Grundschule.“

Inzwischen entscheidet er alleine darüber ob er Kritik annimmt oder ignoriert, mit allen Konsequenzen die diese Entscheidung mit sich bringt. Das erfordert  menschliche Reife. Gerade als empfindsames und introvertiertes Kind hat er Kritik um eine vielfaches intensiver erlebt. Es hat sehr lange gedauert bis er die tief verankerten Überzeugungen und Glaubenssätze abgelegen konnte.

Skeptizismus ist der Anfang des Glaubens.

Oscar Wilde

„Ein gesunder Zweifel ist auch bei scheinbar unumstößlichen Aussagen angebracht. Meine ureigene Besonnenheit und mein vielschichtiges Innenleben sind inzwischen ein wunderbarer Kompass für das Abwägen möglicher Konsequenzen.“

Wir danken Peter für seine offenen Worte.
Photo by Jonatan Pie on Unsplash

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