Der skurrile Film erzählt die Geschichte des 15-jährigen Florians (Frithjof Gawenda). Er ist ein sensibler, weltfremder Junge, der sich regelmäßig in Tagträumen verliert. Mit einigen Pfunde zu viel und der kleinen Nickelbrille wirkt er nicht gerade anziehend. Zumindest hält ihn Vater Hanno (Heiko Pinkowski), der als Turmspringertrainer seine Brötchen verdient, für eine unbrauchbare Niete. Ihr Verhältnis ist angespannt bis feindselig. In Mutter (Christina Große) hat er seine Seelenpartnerin gefunden. Mit ihr zusammen träumt er, verkleidet sich und imitiert seinen Schlagerhelden Christian Steiffen (spielt sich selbst). Das Idyll zerbricht, als die geliebte Mutter einen Schlaganfall erleidet und ins Koma fällt. Die Ärzte machen Vater und Sohn wenig Hoffnung. Von nun an verbringt Flori mehr und mehr Zeit mit Vater Hanno in der Schwimmhalle. Dort lernt er den gleichaltrigen Radu (Robert Alexander Baer) kennen. Die beiden verstehen sich gut, doch ein scheinbares Missverständnis stellt die anfängliche Sympathie bald in Frage.

So wie die Musik bewegt sich auch der Film zwischen Klassik und Klamauk. Erst scheinen Vater und Sohn nichts gemeinsam zu haben. Die einzige Verbindung stellt die loyale Mutter dar. Als dieses Bindeglied wegbricht, müssen Flori und Hanno ihre Beziehung neu definieren, was anfangs unmöglich erscheint. Irgendwann kehrt sich alles um, und der sonst so harte Hanno wird zum überbesorgten Sohnversteher. Mit dieser Wendung nimmt auch die Geschichte Fahrt auf. Die zu Beginn klar gesetzten Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen zunehmend und letztendlich entpuppt sich Schlagerstar Christian Steiffen als rettender Lebensberater. Florians Ideale beginnen zu bröckeln, er muss sich schmerzhaften Realitäten stellen. Die Geschichte wird voller Humor und Herzenswärme erzählt ohne komplett kitschig zu sein. Selbst in Momenten, in denen die Szene ins klischeehafte abzudriften droht, kommt ein rettender Dialog wie der Folgende daher.

Flori: „Schmeckt bitter.“
Hanno: „Wie das Leben …“
Hanno: „Wollen wir ’nen Döner holen?“

Fazit:

Ein unterhaltsamer Film mit überzeugenden Darstellern und guter Story. Ernsthaftigkeit und skurriler Humor wechseln sich gekonnt ab. Christian Steiffen ist Geschmacksache, aber für den Film einfach tragend. Bis zum 23.2.2021 ist „Ich fühl mich Disco“ in der Arte-Mediathek abrufbar.

Deutschland, 2013
FSK: 12
Regie: Axel Ranisch
Drehbuch: Axel Ranisch
Produktion: Kordes & Kordes Film GmbH
Darsteller: Heiko Pinkowski, Frithjof Gawenda, Christina Große, Robert Alexander Baer, Christian Steiffen, Talisa Lilli Lemke, Rosa von Praunheim, Petra Hartung

Heiterkeit
Melancholie
Reize (Akustisch und visuell)
Gewalt

Aufmacherbild und Trailer: Copyright Salzgeber & Company Medien