Mein Nacken verspannt, ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Ich fühle mich zunehmend unverstanden, die Wertschätzung schwindet und damit auch die Motivation. Kleine Signale, die in der Summe sehr belasten. Ich die Wahl: einfach weiter machen wie bisher, es aussitzen – ganz nach Politiker- oder Beamtenmanier – oder die Situation verlassen. Unter gewissen Lebensumständen habe ich das Bleiben in Erwägung gezogen, besonders dann wenn es um Sicherheit ging und vor allem dann, wenn mein finanzielles Polster ausgereizt war. Gehen Sie nicht davon aus, dass ich je genug Geld hatte um mir derartige Freiheiten leisten zu können, aber die Freiheit im Kopf reichte manchmal aus: Was wäre wenn …

Seitdem öffne ich mein wohl sortiertes Notfallköfferchen, sobald ich in so eine Situationen gerate:

Wenn ich genug Geld hätte, …

Wenn ich genug Zeit habe, …

Wenn ich zaubern könnte, …

Wenn ich Superkräfte besäße, …

Wenn ich mehr Selbstbewusstsein hätte, …

Wenn ich ihn noch lieben würde, …

Wenn ich mit keinen Konsequenzen rechnen müsste, …

Diese Aufzählung lässt sich unendlich fortführen, doch wenn man nicht handelt, wird diese Liste zu einer Abhandlung verpasster Chancen. Und Chancen fühlen sich im ersten Moment mitunter unangenehm an. Sie bergen Risiken in sich, Umwege, Ungewissheit, vielleicht sogar Angst, aber auch Lebendigkeit, Freiheit und Lust. Man lässt etwas Altes zurück um Neues zu wagen.

Deswegen nehme ich kleine Anzeichen Ernst und öffne erst einmal mein Köfferchen mit den vielen Wenns und Abers um anschließend abzuwägen ob ich gehe oder bleibe. Denn am Ende ist es nur eine Entscheidung, eine Entscheidung, die mich an einen anderen Ort bringt oder wieder dahin zurück, wo ich herkam. Egal ob sie richtig oder falsch, gut oder schlecht war, sie hat mich bewegt, emotional wie körperlich. Sie hat mich gelassener und mutiger werden lassen, manchmal hat sie mir meine Gesundheit zurück gebracht. Aber vor allem hat sie mir gezeigt was Dankbarkeit und Demut bedeuteten, ohne in einer Opferrolle zu verharren, mit der Gewissheit niemanden etwas schuldig zu sein.

– Alma Rother

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